Verhaltensprobleme

Mensch und Hund sind soziale Wesen. Beide suchen die Gemeinschaft, ein Umstand, der neben anderen dazu geführt hat, dass Mensch und Hund seit Jahrtausenden erfolgreich einen gemeinsamen Weg gehen. Das Zusammenleben verläuft jedoch nicht immer reibungslos, und viele Menschen suchen Hilfe bei ihrem sogenannten "Problemhund".

Joe mit Darwin

Wenn Verhaltensprobleme bei Hunden auftreten, betreffen sie fast immer die Beziehung zwischen Mensch und Tier. Das bedeutet, in der Regel handelt es sich um Probleme in der Kommunikation, und genau hier setzt die Tierverhaltenstherapie an. Sie lernen, Ihr Tier zu verstehen und mit Ihm zu kommunizieren, denn das Verständnis für ein Tier ist die Grundlage für ein erfolgreiches therapeutisches Training ...und erfolgreiches Training ist die Grundlage für ein entspanntes Zusammenleben.

Bei Katzen liegen die Ursachen für Verhaltensprobleme häufig in Unstimmigkeiten des Umfeldes, z.B. in der Sozialstruktur, wenn nicht harmonierende Artgenossen zusammenleben. Aber auch Katzen lernen durch die Verknüpfung von Signalen und Erfahrungen (siehe Lernmechanismen), demnach können viele Verhaltensauffälligkeiten auch erlerntes Verhalten sein. 

 

 

Hier finden Sie Informationen zu unerwünschtem Verhalten und Verhaltensauffälligkeiten,
die bei Hund oder Katze häufig auftreten:

Angst / Unsicherheit
ängstlicher Hund

Angst oder Unsicherheit ist oft der Ursprung für auffällige Verhaltensweisen. Artgenossen, Menschen, Objekte oder bestimmte Situation werden von betroffenen Tieren nicht neutral bewertet, sondern als potentielle Gefahr eingestuft, was zunächst Angst oder Unsicherheit auslöst und dann zu Flucht-, Meide- oder auch Aggressionsverhalten führen kann. Neben diesen direkten gibt es auch indirekte Angstauslöser, bei denen das Ausbleiben oder Verschwinden eines sicherheitsassoziierten Reizes (z.B. Anwesenheit des Tierhalters) zur Angstreaktion führt. Ein klassisches Beispiel ist die Trennungsangst, bei der die Tiere in Angst verfallen, sobald sie vom Besitzer getrennt werden (siehe unten, Trennungsproblematik).
Tiere mit angst- oder unsicherheitsgeprägtem Wesensbild sind häufig während ihrer Frühentwicklung schlecht sozialisiert worden oder haben negative Erfahrungen gemacht. Auch eine unklare Kommunikation zwischen Mensch und Hund verursacht oder verstärkt Unsicherheiten beim Tier.

Ängstliche Tiere stehen während der Problemsituationen unter starkem Stress und sind daher in ihrer Lernfähigkeit stark eingeschränkt. Ein Training mit diesen Tieren dieser Problematik muss immer darauf ausgerichtet sein, die Angst zu mindern, also die Bewertungmechanismen des Tieres zu verändern. So wird z.B. ein Hund, der aus Angst aggressiv gegenüber Artgenossen ist, nicht mehr aggressiv reagieren, wenn er gelernt hat, dass sein Gegenüber keine Gefahr für ihn darstellt. In der Verhaltenstherapie kann dieser Umlernprozess über Desensibilisierung und Gegenkonditionierung erreicht werden.

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Aggression
aggressiver Hund

Aggression ist zunächst keine Verhaltensauffälligkeit sondern gehört zum natürlichen Repertoire tierischen Verhaltens. Bei wildlebenden Tieren ist Aggression eine Notwendigkeit, um lebenswichtige Bedürfnisse durchzusetzen. Solche Bedürfnisse sind z.B. Nahrung, das Recht auf Fortpflanzung oder auch das Bedürfnis eine sichere Distanz zu potentiellen Gefahrenquellen zu wahren. Auch bei der Erhaltung des sozialen Gefüges - der Rangfolge - spielt Aggression eine Rolle. Bei Tieren, die in menschlicher Obhut leben, ist aggressives Verhalten in der Regel unerwünscht und führt bei starker Ausprägung zu enormen Problemen.

Die Formen der Aggression lassen sich einteilen in intraspezifische Aggression (gegenüber Artgenossen, z.B. Leinenaggression), interspezifische Aggression (z.B. gegenüber Menschen oder anderen Tierarten), Autoaggression (die das Tier gegen sich selbst wendet, z.B. Selbstzerstümmelung).

Die generelle Bereitschaft eines Tieres für aggressives Verhalten ist einerseits genetisch bedingt, aber zu einem großen Teil das Resultat der Erfahrungen, die es im Laufe seines Lebens macht. Das bedeutet, dass der Entwicklung ausgeprägter, aggressiver Verhaltensstrukturen immer ein Lernprozess vorausgeht. Ein futteraggressives Tier hat zum Beispiel gelernt, dass es mehr Futter bekommt, wenn es dieses aggressiv verteidigt. Ein angstaggressives Tier hat gelernt, dass sich das angstauslösende Objekt – z.B. ein bedrohlicher Artgenosse – vermutlich wieder entfernt, wenn es diesem aggressiv begegnet. In beiden Fällen wird ein Bedürfnis durchgesetzt, das Bedürfnis nach Nahrung bzw. Distanz. Auch physiologische Ursachen nehmen Einfluss auf die Aggressionsbereitschaft, so ist die Bereitschaft zu aggressivem Verhalten bei hungrigen oder schmerzgeplagten Tieren, und Tieren mit großem Schlafdefizit deutlich erhöht. Autoaggression gehört nicht zum natürlichen Verhalten und stellt eine Besonderheit dar, auf die im Kapitel Zwangshandlungen/ Stereotypien eingegangen wird.

In der Verhaltenstherapie wird zunächst analysiert, aus welcher Motivation heraus das Tier die Aggression zeigt. Einem offensiv aggressiven Tier wird im therapeutischen Training vermittelt, dass sich aggressives Verhalten in der entsprechenden Situation nicht lohnt, sondern dass ein alternatives Verhalten eine lohnenswertere Entscheidung darstellt. Ein angstaggressives Tier hingegen soll über das Training lernen, den angstauslösenden Reiz (z.B. Artgenosse, Mensch, Objekt etc.) positiv zu bewerten (siehe Angst / Unsicherheit).

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Trennungsproblematik
Trennungsproblematik

Es gibt recht viele Hunde, die Trennungsproblematiken zeigen, sobald sie allein gelassen werden. Das Problemverhalten kann unterschiedlichste Formen annehmen: Einige Tiere bellen oder jaulen stundenlang, andere zerstören die Einrichtungsgegenstände oder lösen sich in der Wohnung. Auch die Situationen, in denen das Problemverhalten ausgelöst wird, unterscheiden sich: Wo bei einem Hund die Problematik nur in der Wohnung oder im Auto auftritt, zeigen andere schon deutliche Stresssymptome, sobald sich die Bezugsperson einige Meter entfernt. Ursache des Problems sind entweder Trennungs- oder Verlustängste, oder ein Kontrollverlust, bei dem der Hund massiven Stress aufbaut, weil sich der Mensch nicht mehr in seinem "Kontrollbereich" befindet. Für beide Ursachen gibt es Therapieformen, die das Leiden von Hund und Mensch lindern können.

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Mangelnde Leinenführigkeit
Hund zieht

Mangelnde Leinenführigkeit ist eines der häufigsten Probleme im Zusammenleben zwischen Hund und Mensch. Unvermittelt bricht das Tier aus und kümmert sich nicht um die Tatsache, dass sich am Ende der Leine ein Mensch befindet. In leichten Fällen sind Spaziergänge einfach nur nervenaufreibend, im schlimmsten Fall kann sich der Mensch in diesen Situationen ernsthafte Verletzungen zuziehen. Schlechte Leinenführigkeit ist fast immer auf mangelnde oder falsche Erziehung des Hundes zurückzuführen. In der Verhaltenstherapie bekommen Sie einfache Übungen vermittelt, die, wenn sie konsequent durchgeführt werden, in überschaubarem Zeitrahmen Abhilfe schaffen.

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Unkontrollierter Jagd-, Hüte-, Schutztrieb, etc...
jagender Hund

Um ihr Überleben zu sichern, müssen Tiere in unendlich vielen Situationen richtig reagieren, also erfolgreiche Verhaltensstrategien anwenden. Viele dieser Strategien werden durch Ausprobieren, Erfolg und Misserfolg erlernt (siehe Lernmechanismen). Das Öffnen oder Umwerfen der Futterschachtel wird eine motivierte Katze schnell erlernen, weil dieses Verhalten zum Erfolg führt, dem Futter.

habicht jagt hase

Wenn ein Hase jedoch erst durch Ausprobieren lernen müsste, dass ein Greifvogel eine Gefahr darstellt, wäre dieser Lernvorgang voraussichtlich sein letzter. Daher sind Verhaltensweisen, die lebensnotwendig sind, in ihrer Grundlage angeboren. Beispiele hierfür wären Flucht- und Meideverhalten, Sexualverhalten, Jagdverhalten und viele mehr. Man spricht in diesem Zusammenhang auch vom Triebverhalten, also Jagd-, Flucht-, Sexualtrieb, etc.
Diese angeborenen Verhaltensweisen werden durch bestimmte Reize der Umwelt ausgelöst, z.B. wird ein Hund den sofortigen Impuls verspüren, einem laufenden Hasen hinterherzujagen. Bei starkem Hütetrieb, wird das Hüteverhalten eines Hundes ausgelöst, wenn sich ein Individuum plötzlich aus "seiner" Gruppe löst, auch wenn es kein Schaf, sondern vielleicht ein Familienmitglied ist.

Den Impuls des Tiers, diesem Schlüsselreiz eine Handlung folgen zu lassen, kann man nicht einfach unterdrücken. Ein laufender Hase wird immer ein besonderer, handlungsverknüpfter Reiz bleiben. Durch gezieltes Training kann jedoch erreicht werden, dass der Hund diesem Impuls nicht unkontrollierbar folgt, sondern ein alternatives, kontrollierbares Verhalten wählt.

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Zwangshandlungen / Stereotypien
zwangshandlung hund

Zwangshandlungen sind Verhaltensweisen, die ein betroffenes Tier ausführt, ohne darauf willentlich Einfluss nehmen zu können. Repetitiv, also immer in gleicher Weise wiederholtes Verhalten nennt man Stereotypie. Zu stereotypem Verhalten zählt man z.B. das ritualisierte Jagen der eigenen Rute in Stresssituationen oder stark übersteigertes Komfortverhalten wie das zwanghafte Lecken der Pfoten bis hin zur Leckdermatitis. Solche Verhaltensstörungen können durch andauernden Stress oder traumatische Erlebnisse entstehen.

Ist ein Tier z.B. bezüglich seiner Fähigkeiten und Triebe unterfordert, baut sich immer mehr Stress auf, und das Tier sucht sich ein "Ventil", um diesen Stress abzubauen. Für einen unterforderten Border Collie kann das z.B. das Jagen von Lichtreflexen sein, oder auch nur das stundenlange anstarren einer Steckdose. Hier sind dann einzelne Verhaltenselemente aus der Handlungskette "Hüteverhalten" herausgenommen, und werden übertrieben und ohne Sinnbezug ausgeführt. Die stereotypen Handlungen führen im Gehirn des Tiers zu einer enormen Aktivierung des "Belohnungszentrums", der Hund fühlt sich - obwohl in einem völlig sinnlosen Verhalten  gefangen - ähnlich "glücklich" wie wir Menschen, wenn wir uns gerade sportlich betätigt haben. Dieses selbstbelohnende Verhalten wird der Hund ohne Verhaltenstherapie also nicht einstellen.

Bei der Therapie von Zwangsverhalten spielt die Zeit eine wichtige Rolle. Je länger die Störung unbeachtet und unbehandelt bleibt, desto schwieriger ist es, sie wieder zu lösen. Niemals darf ein Tier für sein Zwangsverhalten bestraft werden, der Stress des Tieres würde nur noch mehr steigen und die Situation verschlimmern. Vielmehr werden alternative, der Veranlagung des Hundes entsprechende "Ventile" gefunden, die Stress abbauen, aber nicht zu Zwangsverhalten entarten. Die Verhaltenstherapie kann - und muss in manchen Fällen - medikamentös eingeleitet und unterstützt werden.

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Erziehungsprobleme

Die meisten Probleme im Zusammenleben von Mensch und Tier entstehen durch mangelnde oder falsche Erziehung oder auch durch Unstimmigkeiten im Umfeld des Tieres. Gerade bei Hunden ist eine vermeintliche Verhaltensstörung häufig keine Störung. Vielmehr zeigt das Tier ein unerwünschtes Verhalten, von dem es allerdings gelernt hat, dass es Vorteile bietet. Ein Beispiel wäre das wiederholte Bellen, um Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Rufen wir den Hund permanent zur Ruhe, müssen wir uns nicht wundern, dass er das Verhalten nicht einstellt. Er hat ja immer Erfolg, denn auch das Zur-Ruhe-rufen bedeutet für den Hund Aufmerksamkeit, also genau das, was er einfordert. Nach diesem Lernschema entstehen viele Verhaltensproblematiken.
Weitere häufig auftretende Probleme sind:

-  mangelnde Leinenführigkeit
-  Weglaufen
-  Mangelnde Abrufbarkeit
-  Aufmerksamkeitsheischendes Verhalten
-  Objekte / Essen vom Tisch stehlen

…etc.

Über verschiedene Trainingsmethoden wird den Tieren beigebracht, mit seinem Menschen zu kommunizieren. Der Hund soll lernen, dass es sich lohnt, sich am Menschen zu orientieren. Über Kommunikations- und Orientierungstraining wird dem Hund vermittelt, nach welchen Regeln ein gemeinsames und stressfreies Zusammenleben verläuft.  

Auch Katzen lernen durch Erfolg und Misserfolg. Es ist zum Beispiel wissenschaftlich belegt, dass Katzen ein für den Menschen besonders unangenehmes Miauen äußern, wenn sie ihr Futter einfordern …weil sie damit den schnellsten Erfolg erzielen.   

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